Huna - überholt oder zeitgemäß?

Anfangs war ich zugegeben ziemlich misstrauisch und kritisch, als ich das erste Mal auf Huna traf, war der Meinung, dass die scheinbar uralten Sichtweisen der Hawaiianer längst überholt sind und das den modernen Menschen in Europa nichts hilft. Mit Widerstand habe ich mich anfangs damit auseinandergesetzt und war positiv beeindruckt, wie wirkungsvoll und einfach die Methoden, Sichtweisen und Einstellungen der Hunatiker nach Serge Kahili King sind - und auch zeitgemäß. Bei näherer Beschäftigung mit dem Huna war ich dann überrascht, dass die Erkenntnisse von den Urvätern der modernen Psychologie durchaus Schnittmengen mit dem scheinbar uralten Huna-Wissen aufweisen konnte. 

Der bekannteste psychologische Urvater hierzulande ist zweifellos Sigmund Freud. Er teilte den Menschen in drei Teile. Das ES, das ICH und das ÜBER-ICH. Genauso das Huna, hier KU, LONO und AUMAKUA genannt. Auch deren „Funktionen“ sind ähnlich, allerdings nicht deckungsgleich. Bei Freud ist ES ein animalisch-primitiver, von Reizen getriebener und von Leidenschaft diktierter Teil der Psyche, in dessen Reservoir tief verborgene ungelöste Konflikte vorhanden sind, die sich aufgrund der verworrenen Masse nicht rationaler Denkmuster zu negativen Komplexen verfestigen und zu neurotischem Verhalten oder/und Krankheiten führen. Auch in der Huna-Sichtweise gibt es im KU dieses Sammelbecken im Unterbewussten, in dem sich psychologische Komplexe befinden und das unser Leben und Verhalten erheblich beeinflusst. Es ist in dem Sinn auch animalisch, da es in direkter Verbindung zum Körper steht und dazu dient, seine Emotionen und Instinkte zu kanalisieren. Im Gegensatz zu Freuds ES ist das KU allerdings nicht negativ behaftet, sondern will nur glücklich sein. KU muss im Gegensatz zu ES nicht beherrscht werden, sondern geführt, trainiert und gelehrt werden. Dafür ist das Bewusstsein - für Freud das ICH und im Huna das LONO - zuständig. Das ICH soll ES beherrschen und kämpft mit ihm bzw. mit den Begierden des ES. LONO trainiert im Huna das KU und nutzt die naturgegebene Kooperation der beiden Teile. Lediglich das ÜBER-ICH und das AUMAKUA unterscheiden sich mit der Freud´schen Sichtweise. Das ÜBER-ICH ist stark vereinfacht gesagt das Gewissen. Im Huna ist dies Bestandteil von KU und LONO und AUMAKUA ist mehr ein spiritueller Teil unseres Wesens, dem Freud genauso wenig Beachtung schenkte, wie dem physische Körper.

Carl Gustav Jung prägte die Begriffe „Persona“ und „Anima/Animus“, die sich größtenteils mit LONO und KU im Huna decken. Emotionale Störungen sind Diskrepanzen zwischen Persona, Anima/Animus und dem Ego bei Jung. Im Huna ist das Gleiche eine Disharmonie zwischen KU und LONO. Frappierend ähnlich ist das Konzept des kollektiven Unbewussten von C. G. Jung mit der polynesischen Sichtweise des Höheren Selbst AUMAKUA und im Gegensatz zu Freud sieht Jung die Libido als etwas Neutrales, das der gesamten Person dient und das wir zum Guten oder zum Schlechten einsetzen können. Genauso wie das Libido-Pendant „Mana“ in der hawaiianischen Huna-Lehre. 

Am meisten überrascht hat mich Wilhelm Reich, da er genauso wie im Huna die Libido bzw. das Mana, nicht als irgendeinen praktischen Begriff verstand, sondern als eine konkrete Form einer Energie in uns. Wir sind nicht nur sprichwörtlich im Fluß, sondern das ist deutlich spürbar, das hat jeder von uns schon erlebt und es ist unumstritten, dass sowohl körperliche als auch psychische Blockaden dieses fließen verhindern. Die Folge ist, dass es ein Zusammenwirken von Körper und Psyche, von körperlicher und geistiger Gesundheit gibt. Gleichzeitig gehen Reich und Huna davon aus, dass diese konkrete Energie nicht auf eine physische Grenze beschränkt ist, sondern willentlich übertragen werden kann.

Bei der Transaktionsanalyse nach Eric Berne geht man davon aus, dass das Unterbewusstsein alles speichert, man sich in Folge dessen anderen gegenüber aus einem Zustand „Eltern“, „Kind“ oder „Erwachsener“ verhält und durch Training sich bewusst entscheiden kann, wie man sich verhält. Im Huna haben wir grundsätzlich die erwachsene Haltung von Berne „Ich bin OK - Du bist OK“. Wo Huna und Berne zu 100% übereinstimmen ist die Annahme, dass das Unterbewusstsein alles aufzeichnet, diese Aufzeichnungen das Verhalten beeinflussen und ausnahmslos jeder in jedem Alter eine Entscheidung treffen kann, die das Erleben verändert.

Die Gestalttherapie nach Frederick „Fritz“ Perls beschäftigt sich mit dem ganzen Wesen einer Person mit dem Zweck, das Wachstum- und Entwicklungsprozess des menschlichen Potenzials zu fördern. Dabei ist nicht die Technik ausschlaggebend, sondern die Bereitschaft für Veränderung. Genauso sieht das Huna: Was nützt, das stimmt. 

Mir ist klar, dass die paar Zeilen nicht annähernd das Wirken und die Lehren der o. g. Personen darstellt, genauso wenig ist es möglich damit Huna zu beschreiben. Aber ich hoffe den Eindruck erweckt zu haben, dass die scheinbar alte Weisheit der Hawaiianer durchaus zeitgemäß und auch in unseren Breitengraden sinnvoll und wirksam sein kann. Die größte Gemeinsamkeit haben Huna und Psychologie aber in der Einstellung, dass es den Menschen gut gehen soll und sich tagtäglich des Lebens erfreuen sollen. Egal welchen Namen man dem allem gibt, mit dem das erreicht wird.

Mahalo! Heinz

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