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ACHTSAMKEITS-
COACHING

„Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.“ (Ralph Waldo Emerson)

Ich bemerke an mir, wie ich mich gerade schwer tue, Worte zu finden für diesen Blog-Beitrag zum Thema Achtsamkeit.
So zu sein ist mittlerweile für mich normal geworden und gleichzeitig kann ich mich an die Zeit erinnern, in der ich alles andere war als achtsam. Ich hatte keinen Zugang zu meinen Gefühlen, stattdessen hatten die Emotionen das Ruder in der Hand, die Gedanken steuerten mich mal hier hin und mal dort hin und oft war ich darin so versunken, dass ich gar nicht bemerkte, wie ich mir eine zweite Zigarette anzündete, mich zerfraßen fast die Sorgen, die ich zu unterdrücken und betäuben versuchte, mein Herz war nur ein Organ, das Blut durch die Adern pumpte und ansonsten ein leerer, kaum beachteter Fleck in mir und der bildlich gesprochene Rucksack auf meinen Schultern, vollgepackt mit Vergangenem und Erlebtem wog schwer.

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ll das machte mich über die Zeit ziemlich krank, mein Blutdruck war genauso hoch wie mein Stress-Level, mein schon fast suchtähnliches Abhängigkeitsverhalten und mein Körpergewicht. Dafür war mein Immunsystem, meine Lebensfreude und meine Toleranz- und Akzeptanzfähigkeit – genauso wie die Beziehungs- und Begeisterungsfähigkeit, die Lebensfreude, die Libido usw. – ziemlich unten, ich war ständig müde und gleichzeitig gehetzt und von aussen und oberflächlich betrachtet, war unverständlich, wieso ich mich so gehen lasse, wieso ich so wenig auf mich achte, wieso ich rauche, dem Alkohol nicht abgeneigt war, wieso ich so viel aß, wieso ich so lange Zeit vor Fernseher, Handy und Computer verbrachte, wieso ich mich immer mehr isolierte – trotz eines guten Jobs, trotz einer nach außen intakt wirkenden Familie, einem großen Freundeskreis und gesellschaftlicher Akzeptanz.

Im Grunde genommen dachte ich, auf diese Art und Weise zu leben wäre normal.

Nein, das ist es nicht – sage ich jetzt. Denn normal ist, dass man selbst durch das Leben steuert, klar ist in Gedanken und in Entscheidungen, auf sich selbst und die innere Weisheit hört und auch darauf vertraut und jeden Moment weiß wo man sich befindet. Das ist Achtsamkeit, das ist unser natürlicher Zustand. John Kabat-Zinn beschreibt Achtsamkeit als „die Bewusstheit, die sich durch gerichtete, nicht wertende Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Augenblick einstellt”.

Irgendwann fragte mich der Betriebsarzt meines damaligen Arbeitgebers direkt, wann ich denn endlich meinen BurnOut, meine Depression und meine körperlichen Erkrankungen angehe, denn mittlerweile konnte ich das nicht mehr überspielen.
Wir unterhielten uns daraufhin sehr lange, ich suchte mir eine Psychologin und letztendlich nahm ich mir eine mehrwöchige Auszeit und ging auf Reha in eine psychosomatische Klinik. Dort kam ich das erste Mal in Kontakt mit den Themen Achtsamkeit, Körperbewusstsein, generell Bewusstsein und mit Begriffen wie

„Meditation“, „Empathie“, „Hier und Jetzt“, „Entschleunigung“, „Mindfulness“, „Gewahrsein“, „Ethik“, „Selbsterkenntnis“ oder „Innere Weisheit“.

Und das erste Mal bemerkte ich, dass hinter Achtsamkeit viel mehr steckt, als unbequem, auf einem Kissen am Boden sitzend möglichst heilig wirken zu wollen und das Meditation zu nennen. Denn das war meine Einstellung und Meinung bislang über Achtsamkeit und Meditation, deren Wurzeln im fernöstlichen Buddhismus liegen: etwas esoterisch, abgehobenes, das in unserer westlichen Kultur nichts zu suchen hat. Dieses Vorurteil wurde schnell abgelegt, als ich merkte, welch großes Heilungspotenzial hinter dem Begriff der Achtsamkeit verborgen liegt und wie gut es mir tat als ich mich mit der Zeit immer mehr darauf einlassen konnte. Es interessierte mich so sehr, dass ich weitermachte, mich eingehend mit Meditation, Progressiver Muskelentspannung, TaiChi, QiGong, Yoga, ZEN und meditativen Bogenschießen beschäftigte, dabei immer mehr von mir und in mir entdeckte (dies gegebenenfalls auch jederzeit heilen kann) und mir bewusst wurde, dass diese Entdeckungsreise in meinem scheinbar grenzenlosen Bewusstsein nie aufhören wird, solange ich lebe – das ist auch ein Grundsatz von dem westlichen Achtsamkeits-Pionier John Kabat-Zinn: „Solange wir atmen ist in uns mehr gut als schlecht!“.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Studien aus der Psychosomatik und der Neuropsychologie, die Zusammenhänge zwischen der Achtsamkeits-Praxis und der körperlichen und geistigen Gesundheit belegen und positive Wirkungen der Achtsamkeit auf unser Glück, unsere Zufriedenheit und unser Wohlbefinden zeigen.

Mit dem Praktizieren eines achtsamen Lebensstils können wir in unserem Leben folgende positiven Effekte erreichen:

  • Gelassenheit
  • Präsenz und Bewusstheit
  • innere Ruhe und Stressreduktion
  • einfühlsame Kommunikation mit sich selbst und anderen
  • Entspannung für Körper und Geist
  • erholsameren Schlaf
  • gesteigerte Konzentrationsfähigkeit
  • Stressresilienz
  • Fähigkeit, den Augenblick zu genießen
  • Bewusstheit und Wahl angesichts von eigenen Gedanken und Gefühlen
  • Bewusstheit dahingehend, dass wir in jedem Augenblick entscheiden können wie unser Leben verläuft und dass wir in der Lage sind, Gewohnheiten oder negative Einflüsse zu verändern
  • Bewusstheit in Beziehungen
  • Klarheit in Bezug auf Prioritäten
  • verbesserte Lebensqualität
  • verbesserte Gesundheit
  • emotionales Wohlbefinden
  • seelisches Gleichgewicht

Diese Aufzählung über die positiven Effekte ist mit Sicherheit nicht vollständig, sie zeigt aber die positiven Auswirkungen auf unser alltägliches Leben, wenn wir uns für einen einen achtsamen Lebensstil entscheiden. In unserer immer hektischeren und immer schnelllebigeren Zeit mit immer mehr Einflüssen, Nachrichten und Reizen, die auf uns einwirken, mit einer immer größer werdenden Anzahl an Zivilisationskrankheiten die dadurch verursacht wird, dass wir uns und das was uns an Werten, an Ethik, an Lebensqualität ausmacht vergessen, ist es nur weise, wenn wir uns dazu entscheiden, dass wir aus dem Hamsterrad aussteigen und Verantwortung dafür übernehmen, dass wir möglichst lange, möglichst gesund, möglichst glücklich, möglichst zufrieden unser Leben leben. Das ist unser aller Wunsch, das ist Achtsamkeit gegenüber uns selbst, unserem Körper und unserem Geist, das ist unsere Natürlichkeit und wenn wir es schaffen, diese Natürlichkeit wieder in unserem Leben zu kultivieren, dann sind wir ganz nah dran an unserer Essenz.

In den letzten Jahren hat für mich allerdings der Begriff „Achtsamkeit“ einen faden Beigeschmack bekommen. 

Er wird mittlerweile fast inflationär verwendet und ist zum Trend verkommen, um den alltäglichen und fast schon apokalyptischen Nachrichten aus Krisen und Katastrophen oder dem hektischen Alltag mit vielen Terminen, dem Leistungsdruck und den Anforderungen und Erwartungen einen Gegen-Trend entgegen setzen zu können. Ähnlich den Begriffen wie „Nachhaltigkeit“, „Work-Life-Balance“ oder „Wellness“ wird mittlerweile auch „Achtsamkeit“ oder „Mindfulness“ zu einer Mode-Erscheinung, um die ein Hype entsteht und die auch wirtschaftlich und marketingtechnisch  stark ausgebeutet wird.

Es gibt Apps, die uns beim achtsam-sein unterstützen und uns täglich daran erinnern bzw. dazu auffordern, dass wir achtsam sein sollen, es gibt viele Magazine, die sich dem Thema annehmen und mittlerweile sind in vielen großen Firmen mehr Achtsamkeits-Trainer als Wirtschaftsberater in den Büros zu finden. Bei all dem Guten und Positiven, was ein achtsamer Lebensstil bei uns bewirkt, hat diese Tendenz auch einen negativen Aspekt: Die Gefahr dabei ist, dass auch die Achtsamkeit zum Stressfaktor für uns werden kann und der eigentliche Sinn und Zweck  – die Natürlichkeit unseres Seins zu erkennen – verloren geht. Dabei ist das Erkennen und Erfahren dieser Natürlichkeit – einschließlich der mit der Natürlichkeit unseres Seins einhergehenden und uns alle innewohnenden Weisheit, Dankbarkeit, Freude, Respekt, Empathie, Liebe, Glück und Harmonie das, was „Achtsamkeit“ im Grunde genommen bedeutet.

Der Dalai Lama beschreibt dies wie folgt: „Achtsamkeit ist die Fähigkeit eines Menschen, sich geistig zu sammeln und sich auf diese Weise auf seine zentralen Werte und seine innere Motivation zurückzubesinnen“.

Wie wird ein achtsamer Lebensstil kultiviert und in welchen Bereichen ist Achtsamkeit sinnvoll?

Vermutlich fragen sich das einige Leser*innen jetzt. Hinsetzen und einfach mal so meditieren hat bei mir nicht funktioniert, soviel kann ich sagen. Ohne Anleitung, ohne Begleitung, ohne Motivation dabei zu bleiben und ohne Unterstützung durch einige Lehrer in Meditation, TaiChi, QiGong, ZEN etc. wäre ich vermutlich wieder in das alte Leben – oder das was ich dafür hielt – zurück gefallen. Es ist ein Prozess der –  so kann ich aus eigener Erfahrung sagen -, zwar etwas dauert, bei dem man sich in Geduld üben kann, der uns einiges an Disziplin und auch Leidensfähigkeit abverlangt, der uns aber auch dazu befähigt, das Leben jeden Moment genießen zu können und wo wir – je näher wir an uns selbst dran sind – jederzeit und immer die richtigen Entscheidungen treffen können.

Denn anders als beim Buddhismus, dessen Ziel sozusagen die Auflösung des Ich ist, geht es bei der Achtsamkeit um die Wiederentdeckung des Selbst und damit der Selbst-Wirksamkeit. Da alles im Leben miteinander in Beziehung steht – eine der grundlegendsten Erkenntnisse der Meditation -, kommunizieren wir mit einem achtsamen Lebensstil anders und wir nehmen die Mitmenschen und unsere Umwelt anders wahr – wir werden emphatischer, steigen aus dem unbewussten ständigen Verurteilen und Beurteilen aus und letztendlich sehen wir uns als Teil eines einzigen großen Organismus. Man könnte dies auch Weltverbundenheit nennen und damit endet auch die Ausbeutung der Erde, das „sich-über-alles-und-alle-anderen-stellen“, die Gier und das „immer-mehr-haben-wollen“ und das egoistische und ego-zentrierte Verhalten.

Ein achtsamer Lebensstil ist auch eine gute Medizin gegen das Jammern, Klagen, Beschweren,  gegen das problemzentrierte Verhalten, den „Defizitismus“ und der Beschwörung dessen, was uns am Leben hindert.

Entgegen meiner früheren Meinung, dass Achtsamkeit eine esoterisch geprägte Verdrängung der Realität ist und man auf alles was Spaß macht und uns frei sein lässt verzichten muss, habe ich mit der Zeit erkannt, dass mit Achtsamkeit und der damit einhergehenden Diät an Ablenkungen genau das Gegenteil erreicht wird: wirkliche Freiheit und innerer Reichtum. Das ist unsere wahre Natur und wenn wir uns die augenblicklichen Krisen und Katastrophen auf der Welt anschauen, kann man ruhigen Gewissens sagen: Nie wurde Achtsamkeit so dringend gebraucht wie heute und genau „Hier und Jetzt“.

Mahalo! Heinz

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