Lesedauer: 6 Minuten

Wenn man von Abhängigkeit und Sucht hört denkt man oft an Junkies, an Alkoholiker, vielleicht noch an Zigaretten, Spielautomaten, Essen, Kaufrausch oder Sex. Aber wie siehts mit Beziehungen aus, dem Drang per Smartphone, Tablet, Smartwatches usw. immer und überall verbunden und vernetzt zu sein und immer und überall Zugriff auf alle Informationen zu haben, die Suche nach Macht, Anerkennung und Wirksamkeit oder im spirituellen Bereich dem Streben nach Erleuchtung – können das auch Süchte sein?

Sucht man die Definition von Abhängigkeit in Wikipedia erhält man folgende Aussage aus dem online Lexikon der Psychologie: Abhängigkeit, genannt auch Sucht, bezeichnet das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es können die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und die sozialen Chancen eines Individuums beeinträchtigt werden….

Vor allem der letzte Satz ist interessant für die Lösung aus dem Abhängigkeitsstatus und kann uns dahingehend motivieren, uns mit unseren eventuell vorhandenen Abhängigkeiten zu beschäftigen und diese letztendlich dann hinter uns zu lassen, um das zu erreichen was wir uns ursprünglich von dem uns fesselnden und einschränkenden Stoff oder Verhalten eigentlich erhofft haben: das Leben als Chance zu erfahren in dem wir unser ganzes Potential entfalten können.

Ein wichtiger Satz noch vorab: ich spreche von den Abhängigkeiten, für die wir selbst verantwortlich sind – und das sind die allermeisten. Einige wenige Ausnahmen gibt es natürlich auch hier, beispielsweise wenn wir unwissentlich angefixt wurden. Die Chance die Abhängigkeit zu überwinden ist aber für alle gegeben, je tiefer man schon drinnen steckt umso herausfordernder ist der Weg heraus, umso stärker und widerstandsfähiger ist man dann aber auch mit der Überwindung und natürlich wäre es besser, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen und schon vorab voller Achtsamkeit die einzelnen Phasen zu bemerken.

Die erste dieser Phasen ist das kennenlernen, gefolgt von dem experimentieren mit dem Stoff oder dem Verhalten. Oftmals sind es Freunde und Bekannte die uns da einen Hinweis geben oder wie finden es in der Unendlichkeit des www. Es macht uns neugierig, wir spüren eine Sehnsucht oder ein kribbeln im Bauch. Vielleicht haben wir ein bisschen schlechtes Gewissen wenn wir den ersten Versuch gestartet haben, vielleicht ist es mit etwas Trotz versehen oder aber wir wollen keine Außenseiter sein. Gründe und Ursachen gibts da viele. In irgendeiner Form wird aber mit dem Konsum eines Stoffes oder einem Verhalten ein Zentrum in unserem Gehirn aktiviert, es werden Hormone (meist Dopamin, das das Belohnungszentrum im Gehirn anspricht) ausgeschüttet und wir fühlen uns gut. Zumindest interpretieren wir das so, denn eigentlich ist es nur eine biochemische Reaktion im Körper. Auf alle Fälle wollen wir das öfters haben und beginnen mit dem experimentieren, in dem wir unsere eigenen Vorlieben mit reinbringen, Grenzen austesten oder mit der Dosierung variieren. Hier steigen dann viele aus, wenn sie feststellen dass das Verhalten Konsequenzen mit sich bringt, die sie nicht akzeptieren möchten. Beispielsweise wenden sich Freunde ab, die das neue Verhalten einfach blöd finden oder aber man bemerkt, dass es an das persönliche Zeit-, Energie-, Gesundheits- und/oder Geldkonto geht. Es war eine Erfahrung, die wir machen mussten und damit können wir das auf sich beruhen lassen.

Mit den nächsten Phasen beginnt dann der Bereich, in dem ein Ausstieg deutlich mehr Aufwand erfordert, da hier die eigene Motivation für Veränderungen in gleichem Maße abnimmt, wie die Bereitschaft zu erkennen, dass etwas bei uns selbst aus dem Ruder läuft. „Es machen doch alle.“ – ist hier die beliebteste Ausrede, die einer freien Entfaltung der Persönlichkeit (siehe Definition) im Wege steht. Wir befinden uns in der Phase des sozialen Konsums, in der sich die sozialen Kontakte schon soweit verändert haben, dass das Verhalten bzw. der Stoff dort zum Alltag und fast schon zum guten Ruf gehört. Wir werden sogar noch darin bestärkt, weiter zu machen, denn wir sind dann normal – zumindest in dieser Blase. So entwickeln sich Gewohnheiten und wir befinden uns in der Gewohnheits-Phase der Abhängigkeit, in der wir nicht mehr wirklich bemerken, wie wir zum Bierchen greifen, ein Tütchen rauchen, das Handy und die Push-Benachrichtigungen stets im Blick haben, unsere Kondition und Muskelmasse ausbauen müssen, das nächste Level im online-Gaming das allerwichtigste wird, wir bloß noch mit Meditation und Yoga existieren können oder ohne eine/n festen Partner/in nicht überlebensfähig zu sein scheinen. Es bereitet einen enormen Stress und Druck in uns, von der freien Entfaltung der Persönlichkeit sind wir mittlerweile meilenweit entfernt und unser Verhalten bzw. unser Konsum ist problematisch geworden. Das ist die nächste Phase in der Abhängigkeit und hier wird es auch nach außen sichtbar. Die Ausstrahlung ändert sich, das Verhalten und der Konsum wird immer mehr zu dem Zentrum, um das sich der Tag dreht und hat höchste Priorität. Der Stress- und Konfliktlevel steigt enorm und hier haben wir nur noch wenig Kontrolle über uns selbst. Wir werden immer mehr zur Geisel des Verhaltens und des Konsums und die Zwangsjacke der Abhängigkeit wird immer enger geschnürt. Solange bis es uns die Luft abschnürt oder wir uns daraus befreien können, indem wir uns eingestehen, dass wir im letzten Level angekommen sind: der körperlichen und/oder psychischen Abhängigkeit, in der wir keinerlei Chance mehr haben, unsere Persönlichkeit in irgendeiner Form auch nur ansatzweise entfalten zu können. Das, was uns ursprünglich ein gutes Gefühl bereitet hat und von dem wir uns erhofften, dass es uns das gibt, was uns vermeintlich fehlt, ist zum Gefängnis für uns selbst geworden. Sobald wir uns das alles eingestehen können ist es möglich, den Weg raus aus der Abhängigkeit und hin zu der freien Entwicklung und Entfaltung unserer Persönlichkeit zu finden. Unabhängig. Bewusst. Achtsam. Entspannt.

Mahalo! Heinz

MENTORING

Psychologische
Beratung

Zum Blogbeitrag

NEWSLETTER

Ein Newsletter ist in Planung.
Hier erfahren Sie, wenn ein neuer Blogbeitrag erschienen ist,
teile ich neue Termine für Seminare mit und halte Sie immer auf dem Laufenden.